Merkmale

Im Vergleich zur Wanderratte haben Farbratten einen im Durchschnitt etwas kleineren Körper. Auch einige Organe wie etwa Herz, Nieren, Nebennieren und Schilddrüße sind etwas verkleinert[3]. Ebenso sind einige Gehirnteile wie Corpus striatum und Cerebellum verkleinert, was auch den verringerten Bewegungsdrang von Labor- bzw. Farbratten erklärt. Hingegen sind zum Beispiel das Riechzentrum, die Hypophyse und der Thymus nahezu unverändert oder sogar schwerer. Der durch die unterschiedlichen Organgrößen resultierende veränderte Hormonhaushalt bewirkt eine Verhaltensveränderung im Sinne einer deutlichen Verringerung einer möglichen Neophobie (beständigen Angst vor etwas Neuem), der Fluchtbereitschaft und der Fluchtdistanz (des Minimalabstandes zum Tier, der den Fluchtreflex auslöst). Umgekehrt zeigen Labortiere, die unter „Wildbedingungen“ gehalten werden, bald Annäherungen ihrer Organgewichte an die Wildformen.

Die Geschlechtsreife setzt bei ihnen früher ein, die Infertilität (hier: Altersunfruchtbarkeit) erreichen sie hingegen erst später. Das ergibt insgesamt einen vergrößerten Zeitraum der Fruchtbarkeit (Fertilität). Die durchschnittliche Zahl der Jungen ist bei der Farbratte ebenfalls größer als bei der ursprünglichen Wildform.

Eine Schädigung der Rattenaugen kann bereits bei einer Lichtstärke von 20.000 Lux auftreten (bei Albinos ab 10.000 Lux), ein heller Sonnentag kann jedoch bis zu 100.000 Lux erreichen.

Domestikation 

Professionelle Rattenfänger im 19. Jahrhundert (vermutlich schon vorher) hielten gefangene Tiere, um ihr Verhalten zu studieren und sie so besser fangen zu können[1]. Etwa gegen Anfang des 20. Jahrhunderts begann die Domestikation (Haustierwerdung) der Wanderratte. Fahrende Zirkusleute und Schausteller entdeckten Albinos von Wanderratten für sich und stellten sie aus. Dabei entdeckten sie schnell, dass diese Tiere und ihre Nachkommen immer zahmer und friedlicher als ihre wilden Vorfahren waren. Später wurden die Tiere auch für Labore und Versuchstierinstitute gezüchtet, was den Tieren auch den zusätzlichen Namen Laborratte einbrachte.

Besondere Bedeutung erlangte hierbei das Wistar Institute for Anatomy and Biology der University of Pennsylvania, Philadelphia (USA), das etwa 1906 damit begann, Ratten als „standardisierte“ Labortiere zu züchten. Sie sind heute als sogenannte Wistar-Ratten oder WISTARAT bekannt und in vielen Forschungslaboren auf der ganzen Welt vertreten[2]. Von 1957 bis 1994 züchtete in Deutschland das Zentralinstitut für Versuchstierzucht Ratten für die Verwendung in Laboren.

In der Folgezeit bildeten sich immer mehr Farbvarianten heraus, was sie meist optisch deutlich von ihren wilden Verwandten unterscheidet. Deswegen bürgerte sich der Begriff Farbratte für die domestizierten Tiere ein. Bei der weiteren Züchtung wurde später besonders auf genetische Vielfalt geachtet. Inzwischen gibt es deutliche Unterschiede in Physiologie (Körperfunktionen), Anatomie (Körperbau) und Verhalten zwischen wilden Wanderratten und Farbratten. Deshalb ist es auch gerechtfertigt, von einer tatsächlichen Domestikation zu sprechen.

 

Haltung 

Eine junge Farbratte (3 Wochen alt)

Die Farbratte wurde ab den 1980er Jahren oft als „Punkerschmuck“ gehalten und ist mittlerweile als Heimtier fest etabliert.

Ratten haben einen mal stärker mal schwächer ausgeprägten Bewegungsdrang. Aufgrund der Tatsache, dass Ratten ein konvex gewölbtes Rückgrat besitzen, können Laufräder (durch die Bewegung "im Hohlkreuz") schwere Rückenschäden bei diesen Tieren verursachen. Daher werden sie im Gegensatz zu anderen Kleintieren Laufräder nicht akzeptieren, sondern benötigen ausreichend anderweitige Bewegungsmöglichkeit, bevorzugt durch einen ausreichend großen Käfig[4]. Zu beachten ist auch, dass der Gitterabstand nicht zu groß sein darf: bekommt eine Ratte ihren Kopf durch eine Öffnung, passt auch der restliche Körper hindurch. Hasenkäfige scheiden deswegen häufig als Behausung aus.

Die Tiere werden nur maximal 2 bis 3 Jahre alt. Zudem erkranken ältere Ratten sehr oft an Mykoplasmose, Tumoren und Abszessen, wobei sie tierärztlicher Behandlung bedürfen.

Farbratten sind ebenso wie ihre wilden Vorfahren Allesfresser, die sich überwiegend pflanzlich ernähren.

 

Sozialverhalten

Farbratte beim Fressen einer Melonenscheibe

Da Ratten sehr soziale Tiere sind, sollte man sie niemals einzeln halten. Für Ratten sind die gegenseitige Fellpflege, das Spiel und die Kommunikation mit Artgenossen äußerst wichtig. Ratten putzen sich oft und ausgiebig gegenseitig und verständigen sich unter anderem über für den Menschen nicht hörbare Töne (Ultraschall). Es gibt Zuchtlinien, bei denen auch hörbare Geräusche zum häufiger vorkommenden Verhaltensrepertoire auch ohne gravierendere Bedrohung gehören können, was bei Weitergabe junger Tiere zu Irritationen führen kann. Davon zu unterscheiden sind Geräusche bei Atemwegsproblemen.

Ratten haben ein sehr ausgeprägtes Revierverhalten. Fremde Tiere, die das Revier eines Rudels betreten, werden vertrieben oder getötet. Dies sollte bei der Haltung von Ratten als Haustiere bedacht werden. Wenn neue Tiere geholt werden, muss eine Integration durchgeführt werden, um Verletzungen oder Todesfälle zu vermeiden. Dieses Revierverhalten ist bis zur zehnten Lebenswoche noch nicht vorhanden.

Einzelhaltung ist nur vertretbar, wenn durch einen Todesfall ein einzelnes Tier übrig bleibt und die Integration neuer Ratten fehlschlägt. In diesem Fall ist der Rattenhalter aufgerufen, möglichst viel Zeit mit dem Tier zu verbringen, zur Fellpflege beizutragen und durch liebevolle Zuwendung einem Rückzug der Ratte entgegenzuwirken. Andernfalls muss man mit Depression, Aggression und Autoaggression beim Tier rechnen.

 

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