Ratten-Nachwuchs ???
Ratten-Fans streiten oft darüber, ob nicht generell von eigenem Nachwuchs abzuraten ist. Es gibt in der Tat vieles, was dagegen spricht oder zumindest zu Problemen führen kann. Daher rechne ich mich selbst auch eher zu den Kritikern der privaten Vermehrung. Trotzdem habe ich eins meiner Mädels im Januar 1999 decken lassen, hauptsächlich weil ich genügend geeignete Interessenten für kleine Ratten hatte und in den wenigen Tierheimen hier in der Gegend bislang eher selten Ratten "einsitzen", die ein Zuhause suchen. Vor diesem Hintergrund hielt (und halte ich es nach wie vor ausnahmsweise) für vertretbar, einen Wurf Baby-Ratten zu "produzieren". Leider lief am Ende trotzdem nicht alles wie geplant mit der Unterbringung. Ich möchte daher an dieser Stelle meine guten und schlechten Erfahrungen in die Diskussion einbringen.
   

Im Januar 1999 traf ich in der Mensa einen ehemaligen Mitbewohner aus einer früheren Studenten-WG, der mir erzählte, dass er jetzt auch eine Ratte - ein Männchen - habe. Da bereits seit Monaten mehrere Schulkameraden des Sohnes meiner Freundin wiederholt Interesse an jungen Ratten bekundet hatten, holte ich den Bock kurzerhand für ein paar Tage zu mir und ließ ihn die ganze Zeit über mit meiner Momo in einem Extra-Käfig wohnen und auch zusammen auslaufen. Momo war die liebste und schmusesüchtigste Ratte, die ich bis jetzt hatte, und ich hoffte darauf, dass sie diese Eigenschaften ihren Kleinen mitgeben würde...

 

Am Ende des zweiten Tages war Momo wohl endlich in der richtigen Stimmung, und von da an ging es für einige Stunden richtig rund <gg>. Jagen, poppen, jagen, poppen... Für Wassja - so hieß der Papa - war das allerdings über weite Strecken eine echte Strapaze. Er war einfach zu dick für so ein wendiges Rattenweibchen - alle paar Meter musste er verschnaufen; klettern oder springen ging gleich gar nicht. Aber Momo wurde zusehends gnädiger und wartete immer öfter auf das überforderte Männchen..., so dass die beiden am Ende trotzdem eine beeindruckende Zahl "gültiger" Versuche hingelegt hatten <gg>. Am nächsten Tag durfte Wassja nach Hause und Momo wieder zu Zwillingsschwester Ronja und Freundin Tilly in denselben Käfig.

Am 09.Februar '99 war es dann soweit. Momo hatte schon seit ein paar Tagen jeden Papierschnipsel oder ähnliches, was sie beim Auslauf gefunden hatte, in den Käfig geschleppt und aus der Einstreu und diesen Materialien einen großen Nesthügel gebaut. Sie war sehr rund und etwas schwerfällig, und ihre Zitzen waren deutlich angeschwollen. Als ich dann gegen abend von der Arbeit kam, hörte ich es schon piepsen - Momo saß neben dem Nesthügel und hatte schon zwei Babys trockengeleckt und stopfte sie gerade in das Nest. Übrigens waren es die Babys, die da schon so laut piepsen konnten! Nach ca. einer Stunde war Momo wohl fertig und kroch mit ins Nest.
Am nächsten Tag, während Momo kurz im Zimmer herumschnüffelte - immer wieder auf der Suche nach neuem Nistmaterial - schob ich das Nest etwas auseinander und zählte die Babys - 12 Stück. Zwei lagen etwas abseits und bewegten sich im Gegensatz zu den anderen fast gar nicht. Am Abend, als ich wieder nachsah, waren sie tot, und ich nahm sie aus dem Nest. Es blieben aber die einzigen, die es nicht schafften...

Fast zwei Wochen lang verteidigte Momo ihr Nest sehr aggressiv, besonders gegenüber Ronja und Tilly. Wenn ich selbst am Nest war, um zu sehen, ob alles in Ordnung sei, war sie zwar sehr aufgeregt, aber seltsamerweise nie verängstigt oder aggressiv. Sie muss unglaublich viel Vertrauen zu mir gehabt haben. Trotzdem - seid bitte sehr vorsichtig mit Rattenmüttern in dieser Phase und lasst das Nest so weit wie möglich in Ruhe. Ich nehme übrigens auch an, dass Momo die beiden toten Babys selbst bald "aussortiert" hätte; spätestens beim "Umziehen" - sie hat die Kleinen nämlich alle drei bis vier Tage in eine andere Ecke gebracht und das Nest komplett neu aufgebaut.... Lustig dabei ist, dass von den 10 Babys genau die Hälfte so gefärbt war wie Papa Wassja; die anderen 5 waren schwarz-weiß wie Mama Momo.

Nach etwas mehr als vier Wochen sollten die meisten der Kleinen ein neues zu Hause bekommen - das war ja von Anfang an so geplant. Ein paar der künftigen "Ratten-Eltern" - alle aus dem Bekanntenkreis des Sohnes meiner Freundin, also Kinder bis maximal 15 Jahre alt - kamen die ganze vierte Woche über schon fast täglich zu Besuch, um sich mit den Rattis anzufreunden, die sie sich ausgesucht hatten. Sie borgten sich unsere Ratten-Bücher aus, guckten sich bei meinen selbstgebauten Ratten-Wohnungen Ideen ab... Sie wirkten jedenfalls sehr begeistert und als "Ratten-Eltern" geeignet.

Probleme gab es erst, als die Ratten nach knapp 5 Wochen mit zu ihnen nach Hause sollten. Plötzlich stellte sich heraus, dass die meisten doch noch nicht mit ihren Eltern gesprochen hatten, obwohl sie auf meine Fragen hin ständig behauptet hatten, es ginge alles klar... Jedenfalls sollten schließlich statt der zwei Mädels, die ich mir selbst ausgesucht hatte, drei Mädels und zwei Bubis bei mir bleiben. Zum Glück hatte sich Wassjas "Ratten-Papa" auf meinen Rat hin inzwischen zu der Ansicht durchgerungen, dass ein zweites Rättlein wohl doch nicht schlecht wäre. Nicht nur, dass Papa Wassja der soziale Kontakt zu anderen Ratten guttun würde; auch seiner Fitness käme das bestimmt zugute...

Am Ende nahm er alle beiden "übriggebliebenen" Bubis; und nachdem er mir Wassja nochmal für ein paar Tage vorbeigebracht hatte, damit der sich unter meiner Aufsicht an seine Söhne gewöhnen konnte, waren die zwei auch endlich gut untergebracht. Und nur eine Ratte mehr als geplant machte bei mir dann doch nicht so viel aus; erst recht nicht wenn sie so lieb ist wie Schröder.... Es sind also am Ende doch nur drei Mädels aus diesem Wurf bei mir geblieben.

Alles in allem ist es ein enormer Spaß, einen eigenen Wurf Ratten großzuziehen. Die Bilder von dem wuseligen Haufen sprechen wohl für sich... Ein großer Vorteil ist zudem, dass die Kleinen von ihren ersten Schritten an menschlichen Kontakt haben und von ihrer Mutter gezeigt kriegen, dass Menschen nichts sind, vor dem man Angst haben muss, sondern hervorragende Spielplätze; und dass Menschenhände hervorragende Gegner sind, um sich verspielt im Kämpfen zu üben... Sie waren fast alle von vornherein viel zahmer, als manche meiner Ratten aus dem Zoohandel überhaupt je wurde.

Bis auf den letzten Punkt - die Unterbringung der "überzähligen" Jungen - gab es ja im Grunde auch keine Probleme. Und selbst dieses Problem hätte sich in diesem Fall vermutlich auch umgehen oder früher lösen lassen, wenn ich gegenüber den Kindern darauf bestanden hätte, selbst mit deren Eltern zu reden. Naja - falls es ein nächstes Mal geben sollte, werde ich daran denken.... Die Verantwortung auch für eventuell übriggebliebene, nicht "losgewordene" Jungratten sollte jedenfalls jedem bewusst sein, bevor er sich zu einem Wurf entschließt. Und wenn man nicht wie ich in diesem Fall gleich eine ganze "Mannschaft" von wirklich geeigneten Interessenten zu versorgen hat, sollte man ohnehin zunächst in den Tierheimen der näheren Umgebung nachfragen, ob nicht dort irgendeine arme Pelznase ein wenig freudvolles Dasein fristet und ein neues Zuhause sucht....

Und einen weiteren Hinweis möchte ich jedem geben, der eingedenk aller genannten Gegen-Argumente trotzdem einmal Rattenbabys haben will: Lasst nie eine Ratte Mutter werden, die schon älter als maximal 10-12 Monate ist. Momo war zwar eine rührende Mutter, aber vermutlich doch schon zu alt für den Stress. Sie starb ca. vier Wochen, nachdem die meisten Jungen weg waren (siehe Die Ratten-Ladies).

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